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Versorgung 

Je früher die Myopie beginnt, desto mehr Zeit hat sie, anzusteigen

Fakten rund um die Myopie-Progression

Es gibt viele Mythen rund um fortschreitende Kurzsichtigkeiten. Aber es gibt auch viele Fakten, die deutlich machen, dass ein Myopie-Management eine optometrische Dienstleistung ist, auf die aus fachlicher Sicht nicht mehr verzichtet werden kann und die auf Kundenseite schon bald erwartet wird. Unabhängig davon, dass sich die Myopie in Europa und Deutschland derzeit nicht derart stark verbreitet wie in Asien, ist das große Interesse von Augenoptikern und Optometristen an Methoden und Technologien zur Myopie-Kontrolle berechtigt: alleine wegen der Fakten und nicht wegen der Mythen.

In der Publikumspresse ist häufig von einer Epidemie der Kurzsichtigkeit die Rede, garniert mit dramatischen Zahlen über das weltweite Ausmaß der Myopie. In Asien sind heute mehr als zwei Drittel der Jugendlichen bis 15 Jahre kurzsichtig. Auch in Europa nimmt die Kurzsichtigkeit zu: Zuletzt verdoppelte sich die Zahl der kurzsichtigen Kinder und Jugendlichen innerhalb einer Generation. Verursacht wird das durch einen veränderten Lebensstil und eine damit veränderte Sehaktivität der Heranwachsenden.

In Zahlen ausgedrückt waren im Jahr 2000 22 Prozent aller Menschen weltweit kurzsichtig, davon 2,2 Prozent mit mehr als 5 Dioptrien. Heute sind es bereits 33 Prozent und davon 4 Prozent mit einer Myopie über 5 Dioptrien. Und 2050 werden es nach einer Studie des Brien Holden Institutes in Australien 50 Prozent der Weltbevölkerung sein, von denen jeder Zehnte eine Kurzsichtigkeit über 5 Dioptrien haben wird.

Genetik spielt kleinere Rolle als gedacht

Die Genetik spielt bei dieser Entwicklung eine kleinere Rolle als in der Vergangenheit gedacht. Kinder von zwei kurzsichtigen Elternteilen werden in einem von drei Fällen ebenfalls kurzsichtig, vielmehr aber stehen die veränderten Lebensgewohnheiten als Ursache für die Zunahme in der Diskussion. Kinder halten sich heute weniger im Freien auf und verbringen ihre Zeit verstärkt mit Tätigkeiten in der Nähe – insbesondere mit elektronischen Geräten in einem geringen Arbeitsabstand. So beginnen Kurzsichtigkeiten schon eher, was ein besonderer Risikofaktor für die Entstehung einer sehr starken Kurzsichtigkeit ist: Je früher die Myopie beginnt, desto mehr Zeit hat sie, anzusteigen.
Die Folgen sind bekannt: Ein Auge wächst mit jeder Dioptrie in die Länge. Das erhöht das Risiko zukünftiger Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom und insbesondere Makuladegeneration oder Netzhautablösung. Je höher die Kurzsichtigkeit, desto länger und dünnwandiger ist das Auge und gespannter die Netzhaut. Bei sehr starken Dioptrien kann das fatale Auswirkungen haben, so erhöht sich zum Beispiel das Risiko einer Netzhautablösung bei einer Kurzsichtigkeit von neun Dioptrien um das 21,5-fache.

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Haben Smartphones und Tablets Schuld an der Entwicklung?

Smartphones und Tablets werden auch schon von Kindern genutzt, immer mehr. Ein Trend, der sich im Zuge der Digitalisierung noch verstärken wird. Die gestiegene Verbreitung der Kurzsichtigkeit im Kindesalter in den letzten Jahren passt zeitlich ziemlich gut zu der Markteinführung des iPad, das 2010 vorgestellt wurde. Aber es ist zu einfach, die Entwicklung damit zu erklären. Ob Lesen, Schreiben, Spielen auf einem Tablet oder das Erlernen eines Musikinstruments: alle diese Nahtätigkeiten erhöhen die Anforderungen an die Augen und können Beschwerden verursachen. Unbehandelt kann das zu einer fortschreitenden Myopie führen. Gleichzeitig werden unscharfe Bilder auf der Peripherie des Augenhintergrunds abgebildet. Diese unscharfe Fokussierung wird als “hyperoper Defokus” bezeichnet und kann das normale Augenwachstum im Kindes- und Jugendalter beeinträchtigen. Forscher haben nachgewiesen, dass die Signale des „hyperopen Defokus“ eine Zunahme der Augenlänge fördert.

Auch der Mangel an Sonnenlicht und zu wenig Zeit an der frischen Luft spielen eine Rolle bei der Entstehung einer Kurzsichtigkeit. Im Gegensatz zu den weiten Betrachtungsabständen im Freien, zwingt die engere Umgebung im Raum die Augen, sich auf relativ kurze Entfernungen einzustellen. Dopamin im Sonnenlicht hat vermutlich einen schützenden Effekt vor der Myopie-Entwicklung, aber junge Menschen sind heute weniger draußen als früher.

Kindern sollten jeden Tag mindestens 90 Minuten im Freien verbringen und nach ca. 20 bis 30 Minuten konzentrierter Naharbeit eine kurze Pause einlegen, um in die Ferne zu blicken. Zudem sollten Bücher und Tablets nicht direkt vor die Nase gehalten werden, wie es häufig gerade bei kleinen Kindern unter Konzentration zu beobachten ist. Neben den optischen Korrektionsmöglichkeiten gilt es im Myopie-Management folglich auch, auf die geänderten Lebensgewohnheiten einzuwirken, um das Fortschreiten einer Myopie zu bremsen: Der Verzicht auf Smartphones und Tablets alleine, hilft nur wenig.

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Neue Standardversorgung?!

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Verantwortungsvolles Myopie-Management im Netzwerk

Augenoptiker und Optometristen haben heute bereits sehr gute Möglichkeiten, eine fortschreitende Kurzsichtigkeit zu erkennen und sie mit optischen Mitteln zu kontrollieren. Es wurde einerseits viel Wissen mittels Grundlagenforschung und Studien aufgebaut, andererseits versetzt die moderne Technologie Augenspezialisten in die Lage, das neue Wissen sinnvoll zu nutzen. Trotzdem muss nicht bei jedem kurzsichtigen Kind mit einer speziellen Versorgung begonnen werden. Myopie-Management als Standardversorgung setzt vielmehr voraus, dass eine verantwortungsvolle Entscheidung über die geeigneten Maßnahmen für die Eltern vorbereitet wird.

Dass Kurzsichtigkeiten geprüft und gegebenenfalls kontrolliert werden sollten, ist auch aus ophthalmologischer Sicht heute keine Frage mehr. Entsprechende Stellungnahmen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte gibt es in Deutschland bereits seit 2019. Alle Augenspezialisten haben eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Kunden und Patienten, deren Fehlsichtigkeiten zu korrigieren und Augenerkrankungen zu verhindern. Eine Kurzsichtigkeit „nur“ zu korrigieren, passt nicht mehr in unsere Zeit.

Nachweis für eine progressive Myopie

Man sagt, eine fortschreitende Myopie beginne bei einer Progression von ≥ 0,5 Dioptrien im Jahr. Eine Empfehlung für eine Versorgung ohne Vorkenntnisse des Korrektionsverlauf beim ersten Besuch des Kunden ist in der Regel nicht möglich: Das Erstgespräch ist kein klassischer Verkauf: Es geht zunächst um die Bestandsaufnahme mit den nötigen Messungen und Risikoanalysen, um mit den gewonnenen Informationen den Eltern und dem Kind mögliche Folgen zu erklären. Augenoptiker und Optometristen sind zunächst gefragt, Therapiemöglichkeiten und Empfehlungen zu geben und die möglichen positiven Auswirkungen dieser Empfehlungen im Hinblick auf die Zukunft und den Alltag des Kindes zu erläutern.

Geeignetes Informationsmaterial zur Mitgabe hilft Eltern, sich zu Hause zu einem geeigneten Zeitpunkt mit dem neu gewonnenen Wissen auseinanderzusetzen. Diese Beratung ist der Grundstein für einen Folgetermin sechs Monate später, bei dem geprüft werden kann, ob es sich um eine fortschreitende Kurzsichtigkeit handelt. Sollte das der Fall sein, können die bereits angesprochenen Empfehlungen umgesetzt werden – so wird aus der verantwortungsvollen Beratung ein nachhaltiger Verkauf. Das Längenwachstum des Auges stoppt meist um das zwanzigste Lebensjahr, zudem ist ab 14 Jahren ein schnelles Fortschreiten über eine halbe Dioptrie pro Jahr eher ungewöhnlich. Mindestens bis dahin hat der Augenoptiker und Optometrist einen treuen Kunden gewonnen, und erst dann sollten die Maßnahmen zur Kontrolle der Myopie möglicherweise überdacht oder beendet werden.

 

Kommunikation und Zusammenarbeit

Die Kommunikation mit den Eltern und dem Kind spielt eine Schlüsselrolle für die Zusammenarbeit und das Verständnis der Notwendigkeit von gezielten Maßnahmen. Insbesondere die Eltern müssen von Beginn an und während der Behandlungsphase realistische Vorstellungen von einem möglichen Erfolg haben. Denn die Betroffenen sprechen unterschiedlich auf die Korrektionsmethoden an, manche fortschreitende Myopie lässt sich weder abbremsen noch vollständig kontrollieren. Die Einschränkungen und Vorteile verschiedener Methoden müssen bekannt sein, die Zustimmung hierzu muss sichergestellt werden. „Zu Beginn der Myopie-Kontrolle kann die Nutzung von Online-Prognose-Tools wie beispielsweise auf www.myopiacare.org den Eltern demonstrieren, wie das Risiko für das Kind ohne eine Behandlung sein könnte. Das vereinfacht die weitere Kommunikation“, erklärt Pascal Blaser, Experte im Myopie-Management und Initiator von Myopia Care.

Ein erfolgversprechendes Myopie-Management benötigt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Beratung sollte mögliche Veränderungen des Lebensstils, vermehrte Outdoor-Aktivität, die optische Korrektion mit Kontaktlinsen oder Brille und potentiell auch pharmakologische Strategien umfassen. Die enge Zusammenarbeit mit einem Augenarzt ist empfehlenswert, zumal dann, wenn die Gabe von Atropin parallel mit einer optischen Korrektur angedacht ist, was derzeit als eine gute Möglichkeit zur Kontrolle einer Myopie angesehen wird. Eine gemeinsame Behandlung des Betroffenen durch Augenarzt und Augenoptiker oder Optometrist vereint optische Korrektionsmöglichkeiten mit klinischer Sorgfaltspflicht, sie hat nachdrücklich die Gesundheitsvorsorge und weniger die bloße Korrektion der Kurzsichtigkeit zum Ziel.

Die Aussichten

„Dass es möglich ist, die Myopie-Progression zu steuern, ist nachgewiesen. Fachverbände bieten mittlerweile Richtlinien für die Behandlung an. Weitere Forschungen werden sich nun auch die Folgen der Ernährung näher ansehen. Der Einfluss von Tageslicht scheint heute schon klar, was genau dabei aber eine Rolle spielt, weiß man hingegen noch nicht, sagt Blaser, der sicher ist, dass das Problem „Myopie-Progression“ in der Öffentlichkeit bekannter wird, wenn „sich mehr Augenspezialisten mit dem Thema beschäftigen“. Es werden nach und nach neue maßgeschneiderte Produkte zur Korrektion auf den Markt kommen, optische wie pharmakologische. Mit ihnen wird es weitere Möglichkeiten geben, damit Augenoptiker und Optometristen eine Kurzsichtigkeit kontrollieren und in ihrem Betrieb ein erfolgreiches Myopie-Management betreiben können.

 

Screenshot des Testes auf myopiacare, der auf der Basis vieler aktueller wissenschaftlicher Publikationen erarbeitet wurde und den Eltern das Risiko einer hohen Kurzsichtigkeit bei ihrem Kind im Erwachsenenalter aufzeigen soll. ©myopiacare

Neue Dienstleistung eine Herausforderungen für den Betrieb?

©Pascal Blaser

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine umfängliche Betreuung des Kindes

2016 entwickelte Pascal Blaser die Myopia-Care-Website für Betroffene und Augenspezialisten, eine bekannte Adresse für Augenoptiker und Optometristen mit einem 360°-Angebot rund um das Thema Myopie Management. Blaser ist MSc. in Vision Science & Business und beruflich im Management der SwissLens AG in der Schweiz tätig. Nicht nur als Kontaktlinsenspezialist sieht er die Relevanz, mit entsprechenden Angeboten die Weiterbildung in Sachen Myopie-Management bei Kindern voran zu treiben. Im Interview erklärt Blaser seine Sicht zu den wesentlichen Punkten zum Myopie-Management im augenoptischen Betrieb.

Herr Blaser, welche Herausforderungen stellen sich an die Mitarbeiter im Betrieb, wenn eine neue Dienstleistung „Myopie-Management“ angeboten werden soll?

Pascal Blaser: Wohlgemerkt möchte ich meiner Antwort voranstellen, dass es neben den Herausforderungen natürlich vor allem Chancen und die Notwendigkeit, dies zu tun, gibt. Ein Myopie-Management im eigenen Geschäft umzusetzen bedeutet eine intensivere Beratung mit Eltern und Kindern. Das ist eine Entscheidung, die das gesamte Ladenkonzept und in Teilen auch die Geschäftsphilosophie betreffen kann. Sie macht jeden einzelnen Mitarbeiter zu einem verantwortlichen Ansprechpartner für das Kind und dessen Sehentwicklung.
Der für mich wichtigste Punkt in der Risikobeurteilung ist die Einschätzung der Progression. Deswegen ist das erste Treffen mit dem Kind auch kein Verkaufsgespräch, vielmehr eine Aufklärung und Beratung. Und zu dieser Beratung gehören zusätzlich zur Refraktion noch verschiedene optometrische Messungen und eine Beurteilung der Risikofaktoren des individuellen Kindes. Das kann also eine zeitintensive Sache sein, die sich nicht direkt mit einem Zusatzverkauf auszahlt.

Warum ist die Zusammenarbeit mit einem Augenarzt empfehlenswert?

Sie ist aus unterschiedlichen Gründen von Vorteil, in vielen Fällen wird das Kind zuvor ohnehin beim Augenarzt gewesen sein. Unter anderem empfiehlt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft vor der Therapie und in Verlaufskontrollen den Einfluss der Akkommodation im Rahmen der Voruntersuchung diagnostisch für einige Stunden mittels Tropfen auszuschalten. Möglicherweise stellt sich auch die Gabe von Atropin als bestmögliche Behandlung oder als parallele Versorgung zu einer optischen Korrektion heraus. In beiden Fällen darf nur der Augenarzt tätig werden. Aber grundsätzlich ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Augenarzt, einer Orthoptistin und gegebenenfalls weiteren Therapeuten wichtig für eine umfängliche Betreuung des Kindes.

 

“Wichtig, Erwartungen zu steuern” 

Gibt es besondere Herausforderungen in der Kommunikation mit den Eltern?

Die Kommunikation spielt eine Schlüsselrolle für die Zusammenarbeit und das Verständnis. Eltern müssen die Folgen einer starken Kurzsichtigkeit oft erst verstehen, sie müssen die Beweggründe der klinischen Einschränkungen aktueller Praktiken in der Myopie-Kontrolle begreifen. Der Augenspezialist muss ihnen verständlich machen, wie das Risiko für das Kind ohne Behandlung sein könnte. Und sie müssen eine realistische Vorstellung erhalten, was während der Behandlungsphase geschieht und ob und wenn ja welcher Erfolg erzielt werden kann. Es ist wichtig, Erwartungen zu steuern, die jungen Kunden und die Eltern müssen über Einschränkungen und Vorteile verschiedener Behandlungsmethoden aufgeklärt werden. Einige Kinder entwickeln auch bei Anwendung der verschiedenen Verfahren eine starke Myopie, bei der das Ausmaß der Myopieprogression unvorhersehbar sein kann.

Wie oft sollte ein Kunde vorstellig werden?

Die regelmäßigen Kontrollen sollten im Abstand von sechs Monaten erfolgen. Die Eltern und das Kind beobachten dabei die Sehleistung in der Schule und zu Hause und kommen bei Auffälligkeiten auch früher zur Kontrolle. Nur so kann eine adäquate Versorgung der Kinder gewährleistet werden.

Wann sollte man mit Maßnahmen beginnen und wann beenden?

Je jünger das Kind ist, desto besser ist das für eine effiziente Behandlung. Die Kurzsichtigkeit sollte im Moment ihres Auftretens, oder noch besser, kurz davor, unter die Lupe genommen werden. Maßnahmen können erst sechs Monate später beginnen, wenn man weiß, ob es sich um eine progressive Myopie handelt. Zusätzlich kann man heute anhand von Wachstumskurven die Abweichungen vom normalen Augenlängenwachstum beurteilen und entsprechend die Therapie starten. Myopiekontrolle ist zeitlich am effektivsten bei Kindern unter zwölf Jahren ist, aber die Kurzsichtigkeit schreitet auch bis ins junge Erwachsenenalter voran. Die klinische Einschätzung über das Alter, in dem die Behandlung eingestellt wird, muss unter anderem auch bildungstechnische Anforderungen berücksichtigen, wenn der Betroffene beispielsweise studiert. Wann die Maßnahmen beendet werden können, ist individuell also stark verschieden, generell könnte man natürlich sagen: wenn der junge Mensch ausgewachsen ist.

Welche Messungen müssen vorgenommen werden?

Für die Bestandsaufnahme und um gegebenenfalls weitere Schritte in Betracht zu ziehen, muss eine umfängliche Augenprüfung gemacht werden. Es obliegt jedem Augenoptiker und Optometristen, diese nach bestem Wissen und Gewissen und nach den vorhandenen technologischen Möglichkeiten durchzuführen. Für mich gehört dazu die vollständige Refraktionsbestimmung, die Prüfung der Augenmotorik und Messungen der Akkommodation. Auch eine detaillierte Prüfung des vorderen Augenabschnitts und der Netzhaut, bestenfalls eine Messung der Augenlänge, die durch moderne Geräte einfach möglich ist und zudem eine höherwertige Abbildungsfehleranalyse bietet. Und auch eine OCT-Analyse der Anatomie der Netzhaut ist sinnvoll.

Die Messungen sind das Eine. Sie sprechen aber immer von einem ganzheitlichen Ansatz.

Ja, deswegen ist die Beratung das Andere. Der Augenspezialist sollte wenn nötig auf den Lebensstil einwirken. Er muss auch alle anderen Faktoren bei seinem jungen Kunden kennen, die das Fortschreiten der Myopie begünstigen. Nur dann kann er entsprechende Empfehlungen geben, die über eine optische oder eventuell auch parallel stattfindende pharmakologische Behandlung hinausgehen. Die Versorgung und die Beratung eines Kunden in der Myopie-Kontrolle ist immer eine sehr individuelle Sache, die Messungen sind wichtig, sie sind aber wie eigentlich immer nur eine Seite der Medaille.

Die Handhabung von Kontaktlinsen ist auch für junge Kinder meistens kein Problem, solange auch die Eltern wissen, was diesbezüglich zu beachten ist. Kommunikation spielt sowohl bei den Erwartungen als auch bei den Korrektionsmethoden bei der Myopie-Kontrolle eine entscheidende Rolle.

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Die Wahl der Korrektur

Bislang werden hierzulande weiche Kontaktlinsen favorisiert

Sollte man ein Kind mit einer Myopie unterkorrigiert lassen, damit sich die Kurzsichtigkeit nicht verstärkt? Das Gerücht hält sich zwar hartnäckig, doch es spricht nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand eindeutig mehr dagegen als dafür: Allenfalls ganz zu Beginn einer Myopie ist für Experten eine Unterkorrektur denkbar, zumal ohnehin beim normalen Fortschreiten der Kurzsichtigkeit die Kinder über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nicht vollkorrigiert bleiben. Eine zusätzliche Unterkorrektur würde die Sehleistung weiter vermindern und asthenopische Beschwerden das Allgemeinbefinden der Kinder verschlechtern.
Bei der Wahl der richtigen Korrektur nehmen wir an dieser Stelle Atropin heraus, das natürlich trotzdem bei einer starken Progression zusammen mit einer optischen Korrektionsmethode verwendet werden kann. Momentan sind insbesondere zwei Kontaktlinsenoptionen als Therapiemaßnahmen besonders anerkannt:

  • Orthokeratologie-Linsen
  • weiche multifokale Kontaktlinsen mit der Ferne im Zentrum

Vor der optischen Korrektur, gilt es zunächst einmal den binokularen Status des Kindes zu bestimmen. Das Internationale Myopia Institut hat in seinem „White Paper“ Anfang 2019 folgende binokulare Sehteste empfohlen:
 

  • Akkommodationsgenauigkeit (lag or lead of accommodation)
  • Akkommodationsbreite
  • Akkomodationsflexibilität
  • Heterophorien in der Ferne und Nähe
  • Fixationsdisparität in der Nähe
  • AC/A Verhältnis
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Nach heutigem Wissenstand scheint der Mechanismus der Myopie-Kontrolle bei weichen Kontaktlinsen und Ortho-K derselbe zu sein, Stichwort: periphere Defokussierung. Für beide Verfahren wurden in vielen Studien ähnliche Resultate bei der Myopie-Kontrolle festgestellt. Sowohl die Orthokeratologie als auch weiche Mehrstärken-Kontaktlinsen zeigen effektive Ansätze zur Behandlung einer progressiven Myopie.

Es gibt eine Menge Belege anhand aktuell erhältlicher Kontaktlinsen dafür, dass eine Reduktion der Myopieprogression in einer Größenordnung von 50 Prozent möglich ist. Diese Reduktion ist signifikant, da dadurch die Zahl der Risiko-Patienten mit einer starken Kurzsichtigkeit in der Bevölkerung um ein Vielfaches verringert werden könnte.

Kontaktlinsenwahl: Beratung in der Praxis

Wie bei jeder Kontaktlinsenanpassung hängt die Wahl der Kontaktlinse von verschiedenen Faktoren ab, auf deren Basis der Augenspezialist seine professionale Beurteilung abgeben muss. Neben der Anamnese sind das die Anatomie und Physiologie des Patienten, der Refraktionsstatus, die Lebensart und der familiäre Einfluss. Der größte Vorteil von Ortho-K-Linsen dürfte die elterliche Beteiligung bei der Handhabung und Pflege der Linsen und die Tatsache sein, dass diese tagsüber nicht getragen werden müssen.

Natürlich gibt es aber einige Einschränkungen aufgrund der Spanne der möglichen Refraktionsfehlerkorrektion, die bei Ortho-K-Linsen zwischen -1 dpt. bis -5 dpt. beträgt. Liegt die Myopie darüber oder ist auch eine Hornhautverkrümmung vorhanden, kann das Kind eine zusätzliche Brille tragen. Denn der Grund für das Anpassen der Ortho-K-Linse ist schließlich die Reduzierung des Längenwachstums des Auges. Zudem liegt aber auch der Verdacht nahe, dass sehr schwach Kurzsichtige nicht die effektiven topographischen Möglichkeiten besitzen, um eine Vorverlagerung der peripheren refraktiven Ebene zu erreichen.

Derzeitig erhältliche Ortho-K-Kontaktlinsen korrigieren etwa denselben peripheren Fokus der korrigierten Fernstärke. Eine Ortho-K-Linse mit -3 dpt. bewirkt so zum Beispiel einen Nahzusatz von etwa +3 dpt. Das bedeutet, dass für ein Kind mit einer Refraktion von -1 dpt. eine Behandlung mit einer weichen Mehrstärken-Kontaktlinse effektiver sein könnte (mit einer Stärke von -1 dpt. und Addition +2 dpt.)

Im Gegensatz zur Situation in China und Teilen Asiens sind hierzulande weiche Kontaktlinsen bei Kunden, Eltern und auch häufig Augenspezialisten noch die erste Wahl. Sie werden zudem von den Kindern bezüglich Tragekomfort und Umgang sehr gut akzeptiert und nur selten gibt es Probleme hinsichtlich des subjektiven Sehkomforts durch die Verminderung des Kontrastes. Die meisten Studien zeigen eine Drop-out-Rate von etwa 30 Prozent, die damit geringer ist als die generelle bei Kontaktlinsenträgern. Eine Kontaktlinse mit einem zentralen Bereich für die Ferne und einem Nahzusatz von +1,5 dpt. (oder mehr) ruft häufig eine myopische Abbildungsebene vor der peripheren Netzhaut hervor und stellt damit auch eine Art der Myopie-Kontrolle dar. Die periphere Defokussierung ist jedoch von Kind zu Kind unterschiedlich, deswegen können die Nahzusätze und die Linsenarten auf der Grundlage verschiedener optometrischer Messwerte variieren und müssen stets individuell angepasst werden.

Standardversorgung: Brille

Ein Kind mit einer Brille zu versorgen, ist derzeit für Eltern im Unterschied zu einer Kontaktlinsenanpassung völlig normal. Wenn die Kurzsichtigkeit aber weiter fortschreitet sind klassische Einstärkenbrillen keine optimale Versorgung. In Asien sind bereits viele auf Myopie-Kontrolle ausgelegte Brillengläser in verschiedenen Designs erhältlich. In Europa hat Hoya gerade das Myosmart vorgestellt, und es ist wahrscheinlich, dass in naher Zukunft auch auf weitere Brillengläser zurückgegriffen werden kann.

Das könnte auch der Wendepunkt sein, ab dem sich die Myopie-Kontrolle als Standardversorgung etabliert. Denn die Brille hat sich in den Köpfen der Betroffenen als erste Wahl der Korrektur eines Sehfehlers etabliert. Ob Brille oder Kontaktlinse: Genau jetzt entwickelt sich ein neuer Geschäftsbereichs, und dank vieler internationaler Experten verändern sich bestehende Standards. Das ermöglicht Augenoptikern und Optometristen neue Dienstleistungen im Sinne einer bestmöglichen Gesundheitsvorsorge und unseren Kindern eine unbeschwerte Zukunft mit einem geringeren Risiko, ernsthafte Augenerkrankungen bis zur Blindheit erleiden zu müssen.

MYAH

Myopiekontrolle und -therapie

Das Fachwissen vorausgesetzt braucht es für ein erfolgreiches Myopie-Management die auf diesen Seiten genannten vielversprechenden Korrektionsmöglichkeiten sowie verlässliche und einfach zu bedienende Messinstrumente. MYAH hat alle nötigen Werkzeuge für die Myopiekontrolle an Bord und bietet darüber hinaus als Hornhauttopograph alle Mess-Möglichkeiten für die Kontaktlinsenanpassung inklusive Keratokonus-Screening und Pupillometrie. Abgerundet mit den Funktionen zur Erkennung und möglichen Behandlung eines Trockenen Auges wird MYAH zu einem äußerst effizienten und wertvollen Messinstrument in der Augengesundheitsvorsorge und -therapie.

Augenoptiker und Optometristen können MYAH bei der Kontaktlinsenanpassung, zur Myopiekontrolle oder bei einem Keratokonus nutzen. MYAH ermöglicht zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Augenarzt und Augenoptiker, die bei einem Myopie-Management zwingend ist, nicht zuletzt da Atropin in der Therapie vieler Studien nach als unverzichtbares Mittel im Myopie-Management gilt. Ob Augenarzt oder Augenoptiker, wichtig für beide sind die richtigen Analyse-Hilfsmittel, um seriös beurteilen zu können, ob es sich um eine fortschreitende Myopie handelt und Maßnahmen dagegen ergriffen werden müssen. Mit MYAH wird die Refraktionsbestimmung um einen Screeningtest ergänzt, der die axiale Augenlänge misst: Eine stetige Längenänderung bei Kindern ist ein Indikator für die progressive Myopie. Diese wesentlichen Daten lassen sich wie die Hornhauttopographie und die Pupillometrie schnell und einfach erfassen, speichern und zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Messungen vergleichen.

 

©Topcon

Bewährte Technologie

Die eingesetzte Technologie hat sich bereits im Aladdin-Biometer von Topcon Healthcare bewährt. Sie macht ein gezieltes Myopie-Management und die Entscheidung der bestmöglichen Behandlungsmethoden der progressiven Myopie möglich. Die Messung der Pupillenzentrierung und des Pupillendurchmessers ist eine großartige Unterstützung. Und mit der in MYAH hinterlegten Datenbank von konventionellen und Ortho-K-Linsen lässt sich zudem die Zahl der Testlinsen bei der Anpassung reduzieren, Sie sparen wertvolle Zeit. Außerdem macht die Fluorescein-Simulation die Anpassung für alle Kunden angenehmer und die Exportfunktion für die Topographiedaten die Bestellung der Kontaktlinsen leichter und weniger anfällig für Fehler.

Die Funktionen von MYAH für das Myopie-Management kommen naturgemäß eher für Kinder in Betracht. Die Hilfs- und Bordmittel zur Beurteilung eines Trockenen Auges schaffen dagegen meist den Eltern mehr Lebensqualität. MYAH misst die Menge des Tränenfilms und analysiert die Tränenfilmqualität. Neben der Lidschlagfrequenz lassen sich die Höhe des Tränenmeniskus und die Aufreißzeit des Tränenfilms (NIBUT-Test) bestimmen und die reale Fluorescein-Bildgebung veranschaulicht eventuelle Hornhautaberrationen zwischen den Lidschlägen durch eine Videoaufnahme und -prüfung. Die Analyse der Meibomdrüsen rundet die exakte Beurteilung eines möglicherweise Trockenen Auges in kürzester Zeit ab.

Platzsparend und intuitiv zu bedienen

 

Die vielfältigen Messungen und Möglichkeiten rund um das Erkennen einer progressiven Myopie und eines Trockenen Auges lassen beinahe vergessen, dass MYAH mit seinen vielen Funktionen für die Hornhauttopographie ein Alleskönner im Betrieb des Augenoptikers ist. Die intuitive Bedienung machen MYAH zu einem benutzerfreundlichen Messinstrument, das leicht in jeden Arbeitsablauf und wegen seiner kompakten Bauweise platzsparend in jeden Raum zu integrieren ist. Die Vielseitigkeit modernster Technologie zeigt sich auch beim Export der Messergebnisse über unterschiedliche Schnittstellen – so kann MYAH zu einem Meilenstein in der interdisziplinären Gesundheitsversorgung werden.

ERFAHREN SIE MEHR!

MYAH ist das perfekte Instrument zur Kombination von Screenings für Myopie und Trockenes Auge. Kontaktieren Sie uns. Wir beraten Sie gerne.

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